Volle Fracht voraus


Wenn’s schnell gehen muss, werden Briefe, Pakete, Maschinenteile und Autos mit dem Flugzeug verschickt. Weil die Luftfracht im Aufwind ist, fliegen ab Stuttgart seit Kurzem zwei DHL-Maschinen.

Über 1.000 Fahrzeuge
Die Spoiler sind abgeschraubt, der Tank leer gepumpt und die Batterie ausgebaut: Damit beim Verladen alles schnell geht, werden die bunten Boliden aufwendig vorbereitet. Dann heißt es: Klappe auf, Autos rein und fertig machen zum Abflug.

„Geschwindigkeit ist bei uns immer wichtig. Wenn etwas viel Zeit hat, wird es selten mit dem Flugzeug verschickt“, sagt Martin Hofmann, der sich am baden-württembergischen Landesairport um die Fracht kümmert. Dinge, die per Flugzeug transportiert werden sollen, werden in der Regel mit dem Lkw angeliefert. Briefe, Päckchen und Paletten werden wie Passagiere dann zuerst kontrolliert. „Im Luftverkehr gilt stets: Sicherheit steht an erster Stelle“, so Hofmann.

Mitarbeiter verschiedener Firmen bereiten die Sendungen danach für den Abflug so vor, dass sie nicht kaputtgehen. Das passiert zum Beispiel in der 9.200 Quadratmeter großen Halle der Apron GmbH. „Das Handling umfasst alles! Von Gefahrgut und Maschinenteilen bis zu wertvollen Waren wie Gold und Diamanten“, sagt Baldur Stasuk, Geschäftsführer bei Apron. „Am Standort Stuttgart sind auch häufig teure Autos dabei. Im Jahr 2016 haben wir beispielsweise über 1.000 Fahrzeuge für den Flug vorbereitet.“

Tonnenschwere Balance

Wichtig ist, dass die Gewichtsverteilung im Flugzeug stimmt. „Man nennt das ,Weight and Balance‘, diese sorgt dafür, dass die Maschine stets im Trim, also im Gleichgewicht ist. Dann muss der Kapitän nicht gegensteuern und der Kerosinverbrauch ist so gering wie möglich“, erklärt Stasuk. Bei großen Objekten, die befördert werden sollen,  müssen die Mitarbeiter außerdem auf die Abmessungen achten. Gewisse Größen dürfen nicht überschritten werden. Wenn alles vorbereitet ist, werden Luftfracht und Co. mit speziellen Hubwagen in den Bauch der fliegenden Lieferanten gepackt. „Das ist oft Millimeterarbeit“, sagt Stasuk.

„Wichtig für einen guten Ablauf ist, dass die beteiligten Akteure gut zusammenarbeiten. Hier am Airport sind über achtzig Airlines, Spediteure und Logistikdienstleister tätig“, sagt Hofmann. Einer davon ist die DHL mit ihren markanten gelben Flugzeugen. Bisher landete täglich eine Maschine am baden-württembergischen Landesflughafen. Neben dem Airbus A300, der aus Leipzig kommt, fliegt eine zweite Maschine jetzt sieben Mal pro Woche nach Köln. Weil im Jahr 2016 ab Stuttgart aber wesentlich mehr Fracht bewegt wurde als in den Vorjahren, kam kürzlich ein zweiter gelber Luftpostbote dazu. „Von Stuttgart aus wurden 2016 knapp 32.000 Tonnen Fracht per Flugzeug befördert. Dieses Jahr wird es voraussichtlich noch mal ein Viertel mehr sein“, sagt Hofmann.

Baldur Stasuk kümmert sich als Geschäftsführer der Firma Apron GmbH um die Vorbereitung der Waren.

Video: Das Luftfrachtzentrum am Stuttgart Airport

  • Fokus STR
  • Simon Kirchgeßner
  • 11/17