Präzision und Patente


Rund drei Millionen Teile sind in einem Flugzeug verbaut. Jedes einzelne muss leicht und sicher sein – eine echte Herausforderung für Firmen, die an der Herstellung beteiligt sind. Viele von ihnen nutzen Geräte von Hainbuch aus Marbach am Neckar.

„Vor mehr als 65 Jahren entstand unser Unternehmen in einer Garage“, sagt Geschäftsführerin Sylvia Rall, Enkelin des Gründers Wilhelm Hainbuch. „Das haben wir mit vielen großen Firmen gemeinsam.“ Wichtiger sei jedoch, was danach passierte: Über 150 Patente gehen mittlerweile auf das Konto des Marbacher Mittelständlers. Lange experimentiert haben die Ingenieure auch mit Leichtbauwerkstoffen, zum Beispiel mit carbonfaserverstärkten Kunststoffen (CFK). „Auf diesem Gebiet sind wir Trendsetter und haben das erste CFK-Futter auf den Markt gebracht“, so Rall.

Besonders in der Luftfahrtbranche gefragt
„Neuland“ heißt das Konferenz- und Tagungsgebäude der Firma Hainbuch.

Besonders in der Luftfahrtbranche ist dieses technische Know-how gefragt. Bauteile für Flugzeuge sind oft komplex, müssen hohe Sicherheitsstandards erfüllen und sind aufwendig zu bearbeiten. Da kommt es auf das richtige Spannmittel an. Denn jedes Bauteil ist für Zerspaner aufgrund der speziellen Werkstoffe und den Anforderungen bei Präzision und Genauigkeit eine technische Herausforderung. Hainbuch stellt die Spannmittel her, mit denen beispielsweise Trieb- und Fahrwerksteile produziert werden. Zerspanen, so heißt das Fertigungsverfahren, bei dem aus Rohlingen Turbinengetrieberäder oder Hydraulikventilgehäuse entstehen. Beim Fräsen, Drehen oder Schleifen sieht es zwar so aus, als würde sich das Material ganz einfach ändern lassen. Es sind aber enorme Kräfte im Spiel, weshalb die Auswahl des richtigen Spannmittels so überaus wichtig ist.

Aus der Garage in die Welt

Hainbuch feilt ständig an den verschiedenen Lösungen für das Zerspanen, das hat Tradition. Vor vierzig Jahren entstand dabei die bisher bekannteste Entwicklung. „Unser Spanntop-System war 1977 die Revolution, wurde dann Standard in der Branche und wird auch heute noch permanent weiterentwickelt“, sagt Rall. Damit schaffte das Unternehmen den Durchbruch und aus dem kleinen Garagenbetrieb wurde eine Firma, die auf mehreren Kontinenten Standorte betreibt. Neben der Luft- und Raumfahrt kommen Kunden aus vielen verschiedenen Geschäftsfeldern, wie zum Beispiel der Automobilindustrie oder der Medizintechnik. 800 Mitarbeiter beschäftigt Hainbuch weltweit, 500 davon in Deutschland. „Von China über Thailand bis in die USA und Mexiko: Wir haben zwölf internationale Tochterunternehmen, deshalb sind unsere Mitarbeiter oft unterwegs“, sagt Rall. „Da ist es natürlich wunderbar, den Flughafen in der Nachbarschaft zu haben.“

Sylvia Rall, kaufmännische Geschäftsführerin: "Für ein international aufgestelltes Unternehmen wie Hainbuch ist es fabelhaft, den Flughafen direkt vor der Haustür zu haben und diesen auch noch mit der S-Bahn zu erreichen."
Meilensteine der Firmengeschichte

  • 1951 Firmengründer Wilhelm Hainbuch startet mit Lohndreharbeiten.
  • 1964 Erste patentierte Hainbuch-Erfindung: eine Schnellspann-Teilevorrichtung
  • 1977 Patentanmeldung der revolutionären Spanntop-Erfindung
  • 1980 Beginn der Internationalisierung
  • 2007 Entwicklung eines intelligenten Spannfutters: Toplus IQ
  • 2012 Verleihung der Wirtschaftsmedaille Baden-Württemberg an Gerhard Rall, Geschäftsführender Gesellschafter


  • Nachbar STR
  • Simon Kirchgeßner
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